• Name
    Bunjaku
  • Betreff
    Betreuung Kind
  • Frage
    Sehr geehrte Damen und Herren

    Eine Bekannte von mir hat eine 10-jährige Tochter mit Diabetes. Sie muss ihr regelmässig Insulin spritzen, weil die Tochter es nicht selbständig schafft. Aus diesem Grund ist es der Mutter nicht möglich einer Arbeit nachzukommen, in welcher sie geregelte Arbeitszeiten hat bzw. länger als 2h am Stück zu arbeiten. Nachdem ich nun auf mehreren Websites war, finde ich immernoch keine Antwort. Ist es tatsächlich so, dass es für betreuende Angehörige (Eltern) keine Unterstützungsleistungen für Kinder mit Diabetes gibt? Bzw. gibt es lediglich Unterstützung, wenn beim Arzt eine professionelle Pflegehilfe angeordnet/verschrieben wird ?

    Dem Kind ist es momentan nicht möglich auf Klassenreisen zu gehen, da sie aufgrund der Krankheit ständig von der Mutter begleitet werden muss.

    Ich bedanke mich herzlichst für Ihre Rückmeldung und ihre Information.

    Beste Grüsse, Saranda Bunjaku

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#5 Bettina Walch 12:22 09.05.2017
Liebe Saranda

Auch ich habe eine zehnjährige Tochter mit Diabetes, die sehr selbständig misst und reagiert - sei es mit Kohlenhydraten, sei es mit Spritzen.
Wenn deine bekannte in der Nähe von Zürich wohnt, oder auch sonst den Weg auf sich nehmen möchte, freue ich mich, sie mal zu treffen und mit ihr darüber zu reden, wo denn die Ursache liegen könnte, dass ihre Tochter einerseits so oft korrigieren muss und ausserdem sehr stark auf Unterstützung angewiesen ist.

Das kann medizinische Gründe haben, da wäre ich die falsche. Es kann jedoch auch psychologische haben (zB das Kind in die Selbständigkeit loslassen), da hilft vielleicht ein Gespräch?
Es ist ein Angebot. Auch für das Mädchen, denn mit zehn sollte sie mit ihren Freundinnen etwas unternehmen dürfen, es stehen sicher die ersten Übernachtungsparties an etc. und es tut mir leid, wenn es davon ausgeschlossen wäre, ohne dass es medizinische Gründe dafür gibt. Normalerweise sollte in dem Alter mehr Freiheit möglich sein. Und VIELLEICHT wäre das Kind ja froh, nicht dauernd von seiner Mutter begleitet werden zu müssen.

Mit liebem Gruss, Bettina
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#4 Vorstand SDK 10:01 04.05.2017
Liebe Frau Banjaku

Gut wenden Sie sich an uns. Die Frage ist in der Schweiz tatsächlich rechtlich noch nicht abschliessend geklärt worden. In der Praxis haben sich die Eltern resp. die Betreuenden immer irgendwie arrangiert.

Aus dem Geschilderten sind m.E. zwei Sachen näher zu betrachten:

- Wie die vorherigen Mitglieder bereits angemerkt haben, stellt sich die Frage, warum ein 10-jähriges Mädchen alle zwei Stunden eine Insulinspritze haben muss resp. konstant auf eine Betreuung während des Unterrichtes angewiesen ist? Hier müsste man tatsächlich mal die Therapie und das Diabetes-Management anschauen. Letztlich geht es darum dem Kind ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Davon profitieren alle Beteiligten.

- Andererseits: Braucht ein Kind, vielleicht weil es auch noch jünger ist, tatsächlich Unterstützung beim Spritzen, dann stellt sich die Frage: wer ist dafür verantwortlich? Diese Frage ist, wie gesagt, in der Schweiz rechtlich noch nicht abschliessend geklärt worden. Wir von SDK sind daran, diese Frage fundiert zu beantworten. Eine verbindliche abschliessende Antwort kann hier nicht gegeben werden. Nur so viel dazu: Grundsätzlich kann eine Lehrperson, gegen ihren Willen, nicht dazu verpflichtet werden, dem Kind Medikamente zu spritzen. Notfälle vorbehalten. Auf der anderen Seite hat ein Kind Anrecht auf den obligatorischen Schulunterricht, dazu gehören auch ausserschulische Aktivitäten. Vorausgesetzt der Diabetes ist grundsätzlich gut eingestellt, darf die Schule das Kind nicht ausschliessen, auch nicht von einer Schulreise. Hier ist die Schule gefordert, zu Gunsten des Kindes, eine Lösung zu finden. Die Eltern sind zur Mitwirkung an der Lösungsfindung verpflichtet.

Die Frage beinhaltet also letztlich zwei Aspekte: wer übernimmt die medizinische Versorgung und wer bezahlt sie? Grundsätzlich sehe ich für die Abdeckung der medizinischen Versorgung den schulärztlichen Dienst als geeignete Anlaufstelle. Ebenfalls sehe ich die Schule in der Pflicht für die Finanzierung aufzukommen. Des Weiteren kann selbstverständlich, dies wie bei alle Interventionen während der Unterrichtszeit nur in Absprache mit der Schule, die Kinderspitex aufgeboten werden. Dies wird in der Praxis auch oft zu Beginn so gehandhabt. In Deutschland wurde die Frage kürzlich vor Gericht entschieden: «Der Staat muss bei Bedarf für ein Kind mit Diabetes in Kindergarten oder Schule sowie bei Schulausflügen die Kosten einer Begleitperson übernehmen.» Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, ich sehe aber für die Schweiz eine ähnliche materielle Beurteilung. Bis es soweit ist, muss man sich hier eben noch durch den Dschungel der Zuständigkeiten für die Inklusion einsetzten. Die kantonalen Unterschiede in der Schulorganisation machen es nicht einfacher.

Die SDK prüfen zurzeit die Einführung einer «Case-Managements-Schule», welche auf Wunsch zusammen mit den Eltern der Schule und den behandelnden Ärzten eine praktikable und sinnvolle Betreuung für Kinder mit Diabetes 1 erarbeitet. Falls Ihre Freundin wünscht, kann sie sich zwischenzeitlich direkt mit mir () in Verbindung setzten, vielleicht kann ich Ihr gezielt helfen.

Mit freundlichen Grüssen

Caroline Brugger, Vorstandsmitglied SDK
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#3 Andrea 15:02 23.04.2017
Hallo Saranda

Auf deine eigentliche Frage hab ich keine Antwort. Aber haben Sie schon mal über die Pumpetherapie nachgedacht? Mein Sohn ist 6 Jahre fast 3 Jahre ist die Diagnose nun her und er macht schon viel alleine. Insulin abgabe mit BlousExpert und BZ messen sowieso! Nur KH rechnen muss die Lehrperson unterstützen, ich stehe telefonisch zur Verfügung und es klappt bestens! Zur Pumpe haben wir ergänzend der CGM System von Medtronics!
Bei Fragen meldet Euch!

Grüessli Andrea
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#2 Marion Pokora 09:45 21.04.2017
Hallo Saranda

Wie lange hat denn das Mädchen den Diabetes schon? Wenn sie schon länger Diabetikerin hat, verstehe ich nicht ganz, wieso das Mädchen das ganze nicht selbständiger managet.

Mein Sohn (12 Jahre) ging mit elf Jahren alleine (ohne uns Eltern) ins Klassenlager für eine Woche. Das ging tip top. Er trägt jedoch eine Insulinpumpe und einen Sensor.

Ich kann dir betreffend Pflege keine Auskunft geben aber eventuell wäre das Diabetesmanagement für das Mädchen mit einer Inulinpumpe einfacher, da sie sich den Bolus nicht mit der Spritze abgeben muss sondern per Knopfdruck auf der Pumpe.

Vielleicht muss die Mutter auch lernen mehr Verantwortung der Tochter zu übergeben.

Liebe Grüsse Marion
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#1 Rahel Buess 08:33 21.04.2017
Hallo Frau Bunjaku,
für regelmässige Spritzen in der Schule könnte die Mutter eine Kinderspitex beantragen. Das wird in der Regel ohne Probleme von der Krankenkasse bezahlt. Für Ausflüge, Schulreisen etc gibts nur eine Möglichkeit für ein bezahlte Betreuung,wenn der Arzt bei der Krankenkasse einen Antrag stellt und die KK das bewilligt. Bei einem 10jährigen Kind wird das schwierig werden....LG
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