In diesem Artikel im "Landboten" schildern die Vorstandsmitglieder Claudia und Tom Maurer, wie sie die Diagnose bei ihrem Sohn erlebt haben und wie ihr Alltag seither aussieht.

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Ergänzungen von Dr. med. Udo Meinhardt:

"Liebe Familien

In Vorbereitung der Gründungsversammlung ist im "Landboten" der oben verlinkte Artikel entstanden. Zusätzlich zur Vorstellung des Vereins Swiss Diabetes Kids werden darin am Beispiel der Familie Maurer die typischen Schwierigkeiten und Ängsten, die mit der Diagnose Diabetes verbunden sein können angesprochen: Die Trauer und die Wut ob der Diagnose, die Ängste etwas falsch zu machen, der Frust alleine zu sein, die Sorge um die Zukunft, das Gefühl, dass einem doch einfach alles zu viel wird und vieles mehr. Diesen Artikel hilft vielleicht zu wissen, dass es auch andere gibt, die diese Gefühle teilen. Das Ziel des Vereins geht aber über das hinaus; wir wollen uns gegenseitig unterstützen und von unseren Erfahrungen profitieren können. Aus diesem Grund sollen noch ein paar praktische Punkte, die im Beitrag vom Landboten angesprochen werden, heutzutage aber auch anders gemacht werden können, kommentiert werden:

Ja, das lebensnotwendige Insulin, das der Körper beim Typ I Diabetes nicht mehr oder nicht mehr genügend selber machen kann, muss ersetzt werden. Neben der alten Insulinspritzen, gibt es hierfür heute jedoch auch neue Hilfsmittel wie den Pen und die Pumpe, die auch schon beim Kind mit neu entdecktem Diabetes eingesetzt werden können. Natürlich hat jedes Hilfsmittel seine Vor- und Nachteile, der Pen und die Pumpe können aber den Diabetesalltag deutlich vereinfachen.

Das alte Schema mit Actrapid und Insulatard funktioniert auch heute noch. Für viele Betroffene und deren Familien sind aber die hiermit fixierten Kohlenhydratmengen und der fixe Zeitplan sehr belastend – alles dreht sich ums Essen. Auch das muss nicht sein – es gibt neue Insuline und Behandlungsschemata, mit denen Zeit und Grösse der Mahlzeiten flexibel gestaltet werden können.

Die Angst vor den nächtlichen Hypos ist extrem belastend und die vielen nächtlichen Blutzuckermessungen können die Eltern an den Rand der Dekompensation bringen. In vielen Situationen ist diese Angst aber gar nicht berechtigt! Denken Sie daran, dass beim Diabetes "nur" das Insulin, das den Zucker in die Zellen verfrachtet fehlt, alle Hormone unseres Körpers (Glucagon, Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol, Wachstumshormon), die machen, dass ein tiefer Blutzucker wieder ansteigt, funktionieren normal und helfen, dass nichts Schlimmes passiert. Es ist ganz wichtig, diese Ängste auch mit Ihrem Diabetologen/Ihrer Diabetologin anzusprechen!

Je schneller die Familie wieder ihren alten Rhythmus findet, umso besser. Natürlich muss viel Neues gelernt werden und Vieles braucht auch Zeit. Ein Kind mit neu entdecktem Diabetes muss heutzutage aber in den meisten Situationen gar nicht mehr hospitalisiert werden. Das Ziel der Instruktion und Betreuung muss sein, dass die Familie den Diabetes im Alltag beherrscht und nicht umgekehrt der Diabetes den Familienalltag beherrscht. Dies ist extrem wichtig, um die Krankheitsverarbeitung und damit die Stoffwechselkontrolle und die Lebensqualität zu verbessern. Der Verein Swiss Diabetes Kids will vor allem auch, die Familien, Kinder und Jugendlichen auf diesem Weg zu unterstützen.

Dr. med. Udo Meinhardt"