Cédric und Géraldine, heute 7 und 5 Jahre alt, wurden vor rund einem Jahr mit Cédrics Diagnose Diabetes Typ 1 konfrontiert.

Wie es Ihnen heute geht, was sie bewegt, wie sie mit dem Diabetes im Alltag umgehen, ob sie ein "normales Leben" führen: All dies ist im Interview nachzulesen, welches ihr Vater mit ihnen geführt hat.

 



Cédric: Auch mit Diabetes ein richtiger Lausbub!

Cédric: Mein Name ist Cédric, ich bin sieben Jahre alt und gehe in die erste Klasse.

M. B.: Was machst du denn gerne, wenn du nicht in der Schule bist?
Cédric: Ich spiele am Liebsten Lego. Ich freue mich auch immer auf die Tennisstunde am Dienstag. Ebenfalls am Dienstag habe ich Geigenunterricht in der Jugendmusikschule. Im Winter baue ich mit den Nachbarskindern Iglus oder gehe mit Mami und Papi und meiner Schwester Skifahren. Im Sommer bin ich eine richtige Wasserratte. Im Sommer habe ich ausserdem Geburtstag: Das ist mein Lieblingstag!
 

"Ich bin ja nicht krank, ich habe nur Diabetes!" (Cédric)

Hast du ein Lieblingsessen?
Cédric: "Härdöpfelgulasch!", aber auch Nüdeliauflauf. Und natürlich Schoggi und Glacé!

Und wer bist denn du?
Géraldine: Ich heisse Géraldine, bin 5 Jahre alt und gehe in den 2. Kindergarten.

Und welches sind deine Hobbies?
Géraldine: Kino, Bowling, Klavier spielen, Skifahren und in die Badi gehen.

Bowling? Kannst Du bowlen?
Géraldine: Ja, wir waren doch mit den Swiss Diabetes Kids einmal zum Bowling. Das hat riesig Spass gemacht! Mit den kleinen Leitwänden hätte ich es aber noch viel besser gekonnt.

Hast Du ein Lieblingslied?
Géraldine: "Ai se eu te pego" von Michel Telo.
Cédric: Meine Lieblingslieder sind "Gangnam Style" und "Harlem Shake".

Was isst Du besonders gerne, Géraldine?
Géraldine: Gelati, Schoggikuchen, Spaghetti mit Parmesan und natürlich Nüdeliauflauf.


Wir haben Spass und lachen zusammen; beim Streiten lassen wir uns nicht fotografieren!

Könnt ihr denn immer wünschen, was es zum Essen gibt?
Géraldine: Manchmal schon.
Cédric: Nein, nicht immer. Ausserdem müssen wir wegen dem Diabetes aufpassen.

Hattest du denn schon immer Diabetes?
Cédric: Nein, erst seit bald einem Jahr. Meine Mami hat mich gefragt, was wir mit dem Jahrestag machen sollen. Ob ich ihn vergessen will oder feiern oder sonst was. Ich habe mir das überlegt. Ich möchte den Jahrestag jedes Jahr feiern. Und an diesem Tag darf ich dann immer wünschen, was es den ganzen Tag zum Essen gibt. Das wird super!

Weisst Du noch, wie es vorher war?
Cédric: Nein, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Wie war es denn, als der Diabetes kam?
Cédric: Blöd! Ich musste ins Spital. Aber ich bekam dann einen Pen. Ich lernte bereits am ersten Tag, wie er funktioniert und wie man sich das Insulin spritzt. Ich habe mir das Insulin immer selbst gespritzt. Papi durfte ab und zu auch mal mit dem Pen spritzen, aber nur, weil er mich so lieb gefragt hat.

Ging es Dir gut mit dem Pen?
Cédric: Ja, das schon. Aber ich musste viermal am Tag spritzen und das nervte!

Wusstest Du im Spital, was Diabetes genau ist? Und dass er nie mehr weg gehen würde?
Cédric: Zuerst habe ich gar nichts kapiert. Aber man hat es mir mit einem Bilderbuch sehr gut erklärt. Ich weiss auch, dass es zwei Arten von Diabetes gibt. Ich habe den Typ 1.

Was ist für Dich das "Blödeste" am Diabetes?
Cédric: Das Stechen des Katheters ist das Blödeste am Diabetes. Das Messen an den Fingern ist kein Problem.

Und was ist das "Coolste" am Diabetes?
Cédric: Dass ich in der Schule auch im Klassenzimmer essen darf!

Du sprichst vom Katheter setzen?
Cédric: Ja, seit den Herbstferien habe ich eine Insulinpumpe.

Ist das besser als ein Pen?
Cédric: Für mich ist das viel besser. Den Katheter muss ich nur alle zwei bis drei Tage wechseln. Vorher musste ich in drei Tagen 12-mal Insulin spritzen. Das habe ich mir selbst ausgerechnet. Darum habe ich mir eine Pumpe gewünscht. Ausserdem kann ich mit der Insulinpumpe wieder ausschlafen. Das war der beste Entscheid in meinem Leben! Ich habe mir die Insulinpumpe eigentlich zu meinem siebten Geburtstag gewünscht. Aber im Kispi in St. Gallen hatte es in den Sommerferien keinen Platz mehr. Also musste ich bis zu den Schulferien im Herbst warten. Ich habe dann einen Strichlizettel gemacht, um die Tage zu zählen.

Wie war es denn im Spital?
Cédric: Ich war fünf Tage dort. Manchmal war es etwas langweilig. Wir hatten sehr viel Unterricht und mussten Einiges lernen. Aber alle waren nett und wir hatten eine coole Gruppe. Jeden Abend durften wir einen Film schauen. Aber um acht Uhr mussten wir das Licht löschen. Am ersten Abend musste Mami noch kommen, um mir gute Nacht zu sagen. Nachher sind wir einfach so ins Bett gegangen. Mami ging dann schon nach dem Nachtessen ins Ronald McDonald-Haus.
 

"Ich finde es trotzdem doof, dass Cédric Diabetes hat!" (Géraldine)

Wie war es denn für Dich, Géraldine, als Cédric wegen dem Diabetes ins Spital musste?
Géraldine: Nicht so gut, ich war alleine, ohne Mami.

Was gefällt dir am Verein Swiss Diabetes Kids?
Géraldine: Ich habe bei den Swiss Diabetes Kids eine Freundin gefunden. Sie heisst Nina. Sie ist auch eine Diabetes-Schwester.

Wann hast du Nina denn kennengelernt?
Géraldine: Beim Swiss Diabetes Kids-Wochenende in Unterwasser.

Was hat dir denn in Unterwasser am besten gefallen?
Géraldine: Alles war suuuuuuper gut! Aber am besten hat mir die Gruppenarbeit mit den Therapie-Hunden gefallen.


"Ich bin manchmal trotzdem etwas traurig, dass Cédric Diabetes hat."

Gibt es denn viele Kinder mit Diabetes?
Géraldine: In der Schule ist Cédric der Einzige. Bei den Swiss Diabetes Kids hat es aber viele Kinder mit Diabetes und auch viele Diabetes-Schwestern und -Brüder.

Cédric, hast du bei den Swiss Diabetes Kids mit den anderen Kindern viel über Diabetes gesprochen?
Cédric: Nein, wir haben einfach viel gespielt und sind herumgetollt.

Konntest du denn einmal eine Pumpe anschauen? Du hattest damals ja noch deinen Pen?
Cédric: Ja, das schon. Das war auch interessant. Es ist auch einfacher, wenn man sieht, dass man nicht der Einzige mit Diabetes ist.
Géraldine: Ich finde es trotzdem doof, dass Cédric Diabetes hat!

Und was sagen denn deine Kollegen?
Cédric: Gar nichts. Eigentlich ist alles normal. Sie wissen alle, dass ich Diabetes habe, wegen dem Messen und dem "Bowlen" (so sagt man, wenn ich mit der Insulinpumpe einen "Schuss", einen Bolus abgebe). Ein oder zweimal durfte ich nicht Turnen, weil ich "zu hoch" war. Aber ich bin ja nicht krank. Ich habe nur Diabetes.

Was wolltest Du sagen, Géraldine?
Géraldine: Wenn Cédric den Katheter wechseln muss, dann hat Mami oder Papi weniger Zeit für mich. Wir haben jetzt aber abgemacht, dass ich nachher auch eine Extra-Zeit bekomme, in der Mami oder Papi nur für mich da sind. Jetzt geht es mir viel besser!
Cédric: Das Wechseln des Katheters ist schon Schei***! Aber mit der Insulinpumpe kann ich den Diabetes im normalen Tagesablauf fast vergessen. An das Blutzucker-Messen und Abwägen habe ich mich gewöhnt, sodass es mir gar nicht mehr auffällt. Und sonst ist eigentlich alles wie bei allen anderen auch.

Was würdest Du, Cédric, einem Kind sagen, das soeben die Diagnose erhalten hat?
Cédric: Das ist nicht so schlimm.

Wieso nicht?
Cédric: Weil man ihm heute helfen kann.

Was würdest Du, Géraldine, einem Kind sagen, dessen Geschwister soeben die Diagnose erhalten hat?
Géraldine: Deine Mami und dein Bruder kommen bald wieder vom Spital heim. Mami und Papi haben auch nachher noch Zeit für Dich. Mach Dir keine Sorgen. Du darfst aber auch ein bisschen traurig sein wegen dem Diabetes…


Ich danke Euch beiden…

…und dennoch scheint die Sonne!